Anerkennung für „Seele des Archivs“
Manfred Schaulies feierte 85. Geburtstag – Digitalisierung vorangetrieben
VON NORBERT KOTTER
Bad Aibling/Vagen – Manfred Schaulies leitet seit 2003 ehrenamtlich das Archiv des Historischen Vereins, das im Heimatmuseum der Stadt Bad Aibling untergebracht ist. Am heutigen Dienstag feiert das „Herzstück des Museums“, wie Vereinsvorsitzender Felix Schwaller ihn nennt, seinen 85. Geburtstag.
Als Schaulies von Helmut Loose einst das Amt des Archivleiters übernahm, war dessen Neuordnung „eine große Herausforderung“, wie das Geburtstagskind rückblickend sagt. Rund vier Jahre habe er gebraucht, um der „Schatzkammer des Museums“ die vom ihm favorisierte Struktur zu geben und ihren Nutzwert für die Bevölkerung zu erhöhen. Freude an alten Urkunden. Da die Geschichtsforschung bereits im Jugendalter sein besonderes Interesse weckte, kam ihm bei seiner neuen Tätigkeit die Tatsache zugute, dass er bereits vor der Übernahme dieses Amtes viele Stunden seiner Freizeit in Staatsarchiven verbracht hatte. Aufgrund dieser Erfahrungen hatte er eine genaue Vorstellung davon, wie ein gutes Archiv aufgebaut sein muss.
Schaulies ist gebürtiger Ostpreuße und kam 1940 in Tilsit zur Welt. Sein Vater wurde im Zweiten Weltkrieg in Stalingrad vermisst, mit seiner Mutter kam er 1944 nach Bautzen und übersiedelte ein Jahr später nach Landshut. „In der Volksschule habe ich die Deutsche Schrift gelernt. Das war für mich später von unschätzbarer Wichtigkeit, wenn ich bei der Ausübung meines Hobbys mit alten Urkunden oder Protokollen zu tun hatte“, sagt der Jubilar. Nach dem Besuch der Handelsschule in Landshut trat er 1959 in den Bundesgrenzschutz ein, dem Vorgänger der heutigen Bundespolizei, und leistete in Rosenheim und Haar Dienst. 1967 wechselte er zur Bundeswehrverwaltung, bildete sich zum Diplomverwaltungswirt (FH) weiter und stieg in den gehobenen Dienst auf.
Vagen-Chronik ist sein Lebenswerk
1992 kehrte er zum Bundesgrenzschutz zurück und arbeitete bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 im Präsidium Süd in München. Zuletzt fungierte er dort als Sachgebietsleiter „Grundsatz- und Organisationsangelegenheiten“. Nachdem er 1966 mit seiner Frau Anneliese den Bund der Ehe geschlossen hatte, aus dem ein Sohn hervorging, erfolgte 1972 der Einzug in das Eigenheim in Vagen. Seit 1975 befasst sich Schaulies mit der Familien-, Orts- und Heimatgeschichte. Die fast 1000 Seiten umfassende Haus- und Hofchronik über Vagen nennt er noch heute „sein Lebenswerk“.
Bei seinen Recherchen für diese Publikation kam er auch mit dem Historischen Verein in Bad Aibling in Berührung, dem er nach eigenen Angaben mittlerweile rund ein halbes Jahrhundert lang angehört. Welch große Leistung Schaulies mit dem Aufbau einer geordneten Archivstruktur für die Heimatforschung vor Ort erbracht hat, wird bei einem Blick auf die zahlreichen Regale im Erdgeschoss des Heimatmuseums deutlich. Dort finden sich unter anderem circa 120 Kartons mit alten Urkunden und Dokumenten. Manche der darin aufbewahrten Gerichtsurkunden reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Etwa 150 Ordner mit Loseblatt-Sammlungen, die ein wesentliches Stück der Lokalgeschichte widerspiegeln, zählen ebenso dazu wie ein Bildarchiv mit exakt 50240 einzelnen Dateien.
Kirchen, Personen, das Vereinsleben oder die NS-Zeit in Bad Aibling sowie Baudenkmäler – nur ein paar Beispiele für von Schaulies fein säuberlich geordnete Rubriken, in denen ein nach Informationen Suchender fündig wird. „Zu unserer Sammlung gehören auch etwa 20000 Sterbebilder oder rund 1000 Dateien, die sich mit dem ehemaligen Fliegerhorst in Mietraching beschäftigen“, berichtet er. Viele der Unterlagen, die sich im Archiv befinden, hat der 85-Jährige mittlerweile in Kurzform auch digitalisiert. Das gilt beispielsweise auch für das „Aiblinger Wochenblatt“, dessen zwischen 1856 und 1930 erschienene Ausgaben Bestandteil des umfangreichen Zeitungsarchivs sind, das sich ebenfalls im Heimatmuseum befindet. Vorhanden sind auch die Ausgaben des zwischen 1931 und 1938 herausgegebenen „Aiblinger Tagblatts“ sowie der „Aiblinger Zeitung“, die zwischen 1923 und 1944 auf dem Markt war. Auch alle Ausgaben des „Mangfall-Boten“, die in den Jahren 1949 bis 2011 gedruckt wurden, sind in gebundener Form vorhanden.
Ab diesem Zeitpunkt hielt das digitale Zeitalter mehr und mehr Einzug in die Zeitungsproduktion, was auch für das von Schaulies betreute Archiv eine unmittelbare Folgewirkung hatte. Ab dem Jahr 2012 ist die Heimatzeitung dort nicht mehr in gebundener, sondern ausschließlich in digitaler Form verfügbar.
Mit Neugier und wachem Auge
Gesund zu bleiben und sich noch möglichst lange der Heimatgeschichte widmen zu können, das sind zwei Wünsche, die das Geburtstagskind hat.
Felix Schwaller attestiert ihm, das Archiv halte ihn jung und vital. Seine Leistung für das Heimatmuseum verdiene Anerkennung und großes Lob. „Das Wort von Manfred Schaulies ist für mich immer auch eine wichtige Leitlinie für meine Arbeit als Vorsitzender des Historischen Vereins“, bekennt der Bad Aiblinger Altbürgermeister freimütig. Schwallers Stellvertreterin Anneliese Wittkowski schließt sich dieser Einschätzung an: „Manfred Schaulies ist die Seele des Vereins und des Archivs. Seine Neugier und sein waches Auge tragen dazu bei, dass unsere Schatzsammlung immer wieder erweitert werden kann.“
Quelle: Mangfallbote Nr. 236 vom 14.10.25

Manfred Schaulies hat das Archiv im Heimatmuseum neu strukturiert.
Auf unserem Bild zeigt er ein Gerichtsdokument, das aus dem 15. Jahrhundert stammt. FOTO KOTTER
