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Dorfgemeinschaft: Interviews zur Schließung des Gasthauses Schäffler

191205 Gasthaus Schäffler Interview01aInterview mit Gastwirt Thomas Münch zur geplanten Schließung des Gasthauses Schäffler


Warum hören Sie zum Jahresende auf?
Münch: „Aufgrund der wirtschaftlichen Lage, der stetig wachsenden Preise, immer mehr werdender Auflagen seitens der Behörden, wie zum Bespiel dem steigenden Verwaltungsaufwand, ist es aus geschäftswirtschaftlicher Sicht nicht mehr rentabel. Wir sperren definitiv zu. Das Gasthaus ist ab dem 27. Dezember 2019 geschlossen.“

Gibt es bereits einen Nachfolger?
Münch: „Es ist momentan noch kein neuer Pächter in Sicht“.

Wie schwer trägt einen die Last, ein solch großes Haus zu führen, muss man sich jeden Tag auf´s neue beweisen?
Münch: „Man steht permanent unter Druck, sei es bei der Qualität der Speisen oder dem Service. Dann kommt noch hinzu, dass die Arbeitszeiten weder familien- noch gesellschaftsfreundlich sind, zum Beispiel am Wochenende oder feiertags, bis spät in der Nacht, teilweise sogar bis in die frühen Morgenstunden hinein“.

Was war besonders prägend, positiv aber auch negativ, in den letzten fünf Jahren für Sie als Gastwirt?
Münch: „Meiner Selbstständigkeit als Gastwirt verdanke ich jede Menge positiver als auch negativer Lebenserfahrungen. Das Führen eines familiären Teams, das sich über die Jahre gebildet hat, ist hier als äußerst positiv zu bewerten. Im Gegenzug haben jedoch die vielen Belastungen auch körperliche Spuren bei mir hinterlassen.“

Sie haben mit ihrem Team 2018 den begehrten „Stern der Gastlichkeit“ errungen (wir berichteten), was empfinden Sie zurückblickend?
Münch: „Wir haben sogar in diesem Jahr den zweiten `Stern der Gastlichkeit` durch Beständigkeit in all unseren gastronomischen Bereichen erlangt. Trotzdem war dies nie ein Grund zum Ausruhen, sondern immer ein Anreiz, mit seinen Aufgaben zu wachsen“.

Was wird jetzt aus Ihren Mitarbeitern?
Münch: "Wir haben gehofft, dass ein neuer Pächter kommt und unser bestehendes Team übernimmt. Jetzt muss sich jeder mit der Situation arrangieren“.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Münch: „Ich werde mich gedanklich und beruflich neu orientieren. Alles weitere wird die Zeit bringen“.

 

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Ein neuer Pächter wird gesucht

Zum Jahresende schließt das Traditionsgasthaus Schäffler. Der Bruckmühler Wirt Thomas Münch (33), der seit 2014 als Pächter die Geschicke des Landgasthofes leitete, hat den Pachtvertrag nicht verlängert. In den folgenden Interviews erzählen einige Vagener Vereinsvorstände, Bürgermeister Hans Schaberl und der Stammtischtreff des Gasthauses, wie wichtig der Erhalt dieses Dorfmittelpunktes für die Gemeinschaft ist.

Wie sehen Sie es in Bezug auf das Vereinsleben ihres Vagener Vereins, dass das Gasthaus zum Jahresende schließt?

Trachtenvorstand Michael Zistl: „Ich sehe es als eine große Katastrophe für unseren Ort an, da sämtliche öffentliche Veranstaltungen nun nicht mehr beim Wirt stattfinden können oder ab jetzt sogar teilweise ausfallen müssen.“

Faschingsgildepräsident Benedikt Meixner: „Das Vereinsleben wird durch die Schließung des Gasthauses erheblich beeinträchtigt, weil das Gasthaus seit vielen Jahren ein Ort ist, wo Veranstaltungen durchgeführt werden, Versammlungen abgehalten werden oder sich einfach so getroffen wird. Viele Vereine müssen für traditionelle Veranstaltungen, die gewöhnlich im Gasthof Schäffler stattgefunden haben, jetzt eine andere Örtlichkeit suchen“.

Musikkapelle-Vorstand Franz Köll: „Nun ja, wir haben ja normalerweise jedes Jahr unser Dreikönigskonzert im Gasthof Schäffler veranstaltet. Leider müssen wir es nun im nächsten Jahr am Sonntag, 5. Januar 2020 in der Faganahalle abhalten. Da beim Dreikönigskonzert auch eine Christbaum- bzw. Astversteigerung durchgeführt wird, ist diese Veranstaltung eher eine gesellige Veranstaltung, die eigentlich eine Wirtshaus-Atmosphäre benötigt. Ich hoffe, wir können mit einem guten Konzert und der anschließenden `Astl-Versteigerung` die Gäste trotzdem begeistern und Ihnen einen kurzweiligen gemütlichen Abend bieten.

Andy Ramthun als ein Vagener Stammtischgeher: „Mit der Schließung fällt ein Stück der bayerischen Wirthauskultur. Der Stammtisch löst sich auf, da kein Zusammenkommen im Dorfmittelpunkt mehr möglich ist“.

Burgschützen-Vorstand Johannes Köpke: „Unsere Sportschießstätte wird nun vorerst geschlossen. Nach mehrmaligen Gesprächen mit den Vagener Kellerwirtschützen dürfen wir für unser kommendes Training ihre Schießanlage mitbenutzen. Viele zur Heimatkultur beitragende Veranstaltungen werden abgesagt.“

Was verbindet Ihren Verein mit dem Gasthaus und nennen Sie ein paar Beispiele für das kulturelle Leben ihres Vereins im Gasthaus?

Trachtenvorstand Michael Zistl: „Ob Frühjahrsversammlung, Vereinspreisplatteln oder Weihnachtsfeier, alle Veranstaltungen des Trachtenvereins finden beim Wirt statt. Besonders dramatisch finde ich es auch, dass nach Beerdigungen im Vagener Friedhof das Mahl nicht mehr beim Wirt vor Ort ausgerichtet werden kann.“

Faschingsgildepräsident Benedikt Meixner: “ Der Gasthof Schäffler ist alle zwei Jahre im `aktiven` Fasching unsere Herberge. Wir feiern dort im aktiven Fasching drei Veranstaltungen und auch so ist es der offizielle Treffpunkt an jedem Wochenende. Bevor wir zu unseren Auftritten starten, trifft man sich dort, um noch etwas zu essen oder einfach um etwas zu trinken. Und auch die Faschingszugversammlung mit vielen Teilnehmern findet normalerweise immer im Gasthof statt. Im `nichtaktiven` Fasching –die Saison läuft bereits- veranstalten wir für gewöhnlich unseren `Vagener Dorfball` im Gasthof Schäffler. Dieser wird aufgrund der Schließung 2020 ausfallen. Somit veranstalten wir im `nichtaktiven` Fasching nur den Elferratsball am 14. Februar 2020 und den Kinderfasching am 6.Februar 2020, beides in der Faganahalle. Des Weiteren war der Gasthof in der Vergangenheit auch immer die Örtlichkeit für unsere Jahreshauptversammlung und auch für unsere Ausschusssitzungen haben wir uns oft dort getroffen“.

Musikkapelle-Vorstand Franz Köll: „Normalerweise heißt es ja, `die Musik und die Wirtschaft gehören zusammen`. Bei Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Vereinsjahrtag oder an Fronleichnam, da wird nach der Kirche zum Wirt marschiert und anschließend zum Frühschoppen aufgespielt. Bei solchen Festlichkeiten spielt die Geselligkeit, das Gespräch der Leute sowie die musikalische Unterhaltung eine große Rolle im Wirtshaus. Aber auch die Versammlungen der Vereine, Geburtstagsfeiern, Faschingsbälle, sowie die momentanen Vereins- und Weihnachtsfeiern mit Musik- und Gesangsgruppen, dies alles ist ein Teil von unserem Gasthof Schäffler.“

Andy Ramthun als ein Vagener Stammtischgeher: „Jeder, der Lust hat, geht auf Nacht zum Stammtisch, sei es nach dem Training oder der Arbeit. Und hier wird dann gemeinsam geredet und debattiert. Da werden dann eben Themen aus der Dorfgemeinschaft oder der Kommunalpolitik aufgegriffen und bei der einen oder anderen `Hoiben` ausgiebig diskutiert.“

Burgschützen-Vorstand Johannes Köpke: „Die Proklamation der Schützenkönige der Vagener Burgschützen und der traditionelle Schützenball, unser „Bayerischer Schwarz-Weiss-Ball für Jedermann“, wird in 2020 leider nicht, wie gewohnt, stattfinden. Auch der für September geplante 11. Inlinebiathlon wirft im Hinblick auf die Schließung des Gasthauses im Vorfeld viele organisatorische Fragen auf.“

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Was wünschen Sie sich für die Zukunft, wo finden die Veranstaltungen ab jetzt statt?

Trachtenvorstand Michael Zistl: „Die kommenden Versammlungen, etwa unsere Frühjahrsversammlung, werden wir im Vereinsheim abhalten. Ich wünsche mir wieder einen guten neuen Wirt, der als Gastgeber immer ein offenes Ohr für die Vagener Vereine hat.“

Faschingsgildepräsident Benedikt Meixner: „Für die Zukunft wünsche ich mir für die Faschingsgilde, aber auch für unsere gesamte Ortschaft, dass man einen neuen, passenden Pächter für unseren Gasthof Schäffler findet. Der Gasthof war, ist und soll auch in Zukunft ein Fixpunkt in unserem Dorf sein. Ich hoffe, dass man wieder einen Pächter findet, der gut mit unseren Ortsvereinen zusammenarbeitet und sich somit als Teil unserer Dorfgemeinschaft sieht“.

Musikkapelle-Vorstand Franz Köll: „Ich würde mich freuen, dass wir das Glück haben, bald wieder einen Wirt zu finden, der zu uns passt. Aber ist es nicht mehr so einfach Personal zu finden, die am Abend und am Wochenende arbeiten wollen. Leider werden aber auch die Vorschriften und Auflagen, mit denen sich die Wirte beschäftigen müssen, immer mehr. Die Veranstaltungen werden ab dem nächsten Jahr überwiegend in der Faganahalle, im Vereinsheim, im Boschnhaus oder beim Kellerwirt stattfinden. Ich hoffe aber, dass dies nur eine Übergangslösung ist, bis wir wieder einen Wirt haben“.

Andy Ramthun als ein Vagener Stammtischgeher: „Wir würden uns wünschen, dass sobald wie möglich ein neuer Pächter gefunden wird, der die Bayerische Wirtshauskultur weiter pflegt und offen für die Vereine und die Stammtischtradition ist. Jeder Verein muss jetzt für sich eine geeignete Lösung finden, wo bis dahin die nächsten Versammlungen abgehalten werden sollen.“

Burgschützen-Vorstand Johannes Köpke: „Ich wünsche mir für meinen Verein, einen neuen Wirt mit Leidenschaft und ein gutes Miteinander.“

Auch der 1. Bürgermeister der Gemeinde Feldkirchen-Westerham Hans Schaberl bedauert die Schließung des Gasthauses und bringt es auf den Punkt: „Mit jeder Dorfwirtschaft, die stirbt, geht auch ein Stückerl Heimat verloren und es wird in Vagen wirklich etwas fehlen. Ein bayerisches Wirtshaus in einem so gewachsenen, bayerischen Dorf gehört einfach dazu“.

Der Verpächter Georg Schäffler hofft nun bald einen neuen Pächter (wir berichteten) zu finden, um die Wirtshaustradition in Vagen weiterführen zu können.

 

(Text/Fotos Wolf)

 

 

 

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